Am Anfang des Jahres sind sie plötzlich wieder da.
Diese Sätze im Kopf.
Mehr Fokus. Mehr Bewegung. Mehr Ruhe.
Alles klingt sinnvoll. Alles klingt richtig.
Und trotzdem merke ich oft schon früh am Tag, dass etwas nicht ganz mitgeht.
Vielleicht beim zweiten Kaffee.
Der Kopf ist überzeugt. Der Kalender ist voll.
Aber innen fühlt es sich eher zurückhaltend an. Nicht ablehnend. Eher vorsichtig.
Ich frage mich dann, woran das liegt.
Viele Vorsätze wirken auf mich sehr ordentlich.
Gut gedacht. Vernünftig formuliert.
Sie passen in Notizbücher, in Gespräche, in Jahrespläne.
Aber sie landen nicht immer dort, wo Veränderung wirklich entsteht.
Ich muss dabei oft an ganz einfache Dinge denken.
Abends die Sportsachen bereitlegen.
Mit guter Absicht.
Und morgens liegen sie noch genau da.
Nicht aus Faulheit.
Nicht aus Trotz.
Sondern weil innerlich schon klar ist. Heute nicht.
Und genau dieser Moment interessiert mich.
Nicht, weil der Vorsatz falsch wäre.
Sondern weil etwas anderes fehlt.
Ein innerer Raum, in dem er überhaupt wachsen könnte.
Bevor wir etwas ändern, passiert meist etwas sehr Leises.
Kein bewusster Entschluss. Kein klarer Gedanke.
Eher ein Abtasten.
Eine Frage ohne Worte.
Ist das gerade machbar für mich. Oder halte ich mich lieber ein wenig zurück.
Wenn diese innere Antwort zögert, beginnt etwas, das ich lange falsch verstanden habe.
Man bleibt engagiert. Man funktioniert.
Und man hält gleichzeitig etwas zurück.
Ideen werden vorsichtiger.
Verantwortung klarer begrenzt.
Gespräche korrekt geführt.
Alles richtig. Und doch fühlt es sich ein wenig leblos an.
Von außen wirkt das schnell wie fehlende Motivation.
Von innen fühlt es sich eher nach Schutz an.
Nach einem sinnvollen Versuch, sich nicht zu überfordern.
Ein Paradox. Aber ein sehr menschliches.
Ich sehe das nicht nur im Privaten.
Ich sehe es in Teams.
Bei Führungskräften.
In Organisationen, die sich viel vornehmen und trotzdem innerlich auf Abstand bleiben.
Vielleicht setzen wir Veränderung zu oft dort an, wo sie sichtbar wird.
Beim Verhalten. Bei Zielen. Bei Maßnahmen.
Während innen noch alles auf Vorsicht steht.
Dort, wo wir wieder spüren, dass unser Beitrag etwas verändert.
Wo wir uns zeigen können, ohne sofort bewertet zu werden.
Wo nicht alles gleich eingeordnet oder korrigiert wird.
Dort beginnt Bewegung.
Nicht weil jemand sie fordert.
Sondern weil etwas in uns wieder Platz bekommt.
Ich arbeite an genau diesen Übergängen.
Dort, wo du eigentlich längst weißt, was sinnvoll wäre.
Und trotzdem innerlich bremst.
Oft leise. Oft lange.
Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Erfahrung.
Vielleicht ist das der eigentliche Anfang von Veränderung.
Nicht ein neues Ziel.
Nicht ein weiterer Vorsatz.
Sondern ein ehrlicher Blick auf die Bedingungen, unter denen du wieder Lust bekommst, dich zu bewegen.
Ich bin mir dabei nicht immer sicher.
Aber ich sehe es oft genug, um meinem Blick zu trauen.